News aus der Pferdewelt

Rollkur und Barren verboten

Die Rollkur und auch das Barren sind in den letzten Jahren in Reitkreisen immer wieder diskutiert worden. Mit dem Inkrafttreten der revidierten Verordnung auf den 1.1.2014 sind die beiden Praktiken nun explizit verboten.

 

Gemäss den Erläuterungen zu den beiden Absätzen in Artikel 21 der Tierschutzverordnung gilt jede Massnahme als Barren, die beim Pferd durch Verursachen von Schmerz oder Furcht ein höheres Heben der Beine hervorruft. Dies gilt sowohl für das aktive Barren, wie etwa das Anheben einer Stange oder Sprungauflage nach dem Absprung des Pferdes, als auch für passive Massnahmen wie beispielsweise das Verwenden von Draht über der Stange. Gemeint ist auch das sogenannte chemische Barren, wie das Anbringen einer Substanz an den Pferdebeinen, die bei der Hindernisberührung zu Schmerzen führt.

 

Merkmale der Rollkur, einer beim Dressurreiten eingesetzten Methode der Hyperflexion (Überdehnung), sind eine besonders tiefe Kopf-Hals-Einstellung und ein überspannter Rücken, die durch gewaltsame Einwirkung der Hand des Reiters oder von Hilfsmitteln erzwungen werden. Es kommt damit zu einer Art Einrollen des Kopfes, weshalb diese Methode auch Rollkur genannt wird. Tierschutzrelevant sind Extremfälle, bei denen die falsche Einwirkung des Reiters bzw. falsche Verwendung des Hilfsmittels sowie die unnatürliche Haltung des Pferdes offensichtlich sind und die Hyperflexion über mehrere Minuten andauert.

 

Die Verantwortung für den Vollzug des Tierschutzgesetzes liegt grundsätzlich bei den Kantonstierärzten. Im Normalfall verfügt aber ein Verband über das entsprechende Regelwerk, um jemanden zu sanktionieren, der dagegen verstösst. „Der Pferdesportverband muss sich nun genau überlegen, was diese Bestimmungen für ihn bedeuten", sagt Hans Wyss, Direktor des BLV, in einem Interview mit dem Bulletin des Schweizerischen Verbandes für Pferdesport. Die Würde und das Wohlergehen des Pferdes sollten auch im Reitsport im Zentrum stehen. Profireitende, aber auch Reitschülerinnen und Reitschüler müssen sich bewusst sein, dass sie mit einem Tier arbeiten und nicht mit einem Sportgerät. Pferde haben Eigenarten und Bedürfnisse, denen es Rechnung zu tragen gilt. Sie sollen entsprechend geführt und nicht in unnatürliche Haltungen gezwungen werden. Der verantwortungsvolle Umgang mit dem Pferd im Sport wird für die Zukunft entscheidend sein.

 

Quelle: Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen

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